{"id":235,"date":"2022-09-06T06:10:17","date_gmt":"2022-09-06T06:10:17","guid":{"rendered":"https:\/\/roughtranslation.uni-ak.ac.at\/?p=235"},"modified":"2022-09-07T08:02:03","modified_gmt":"2022-09-07T08:02:03","slug":"klauke-dich-klauker","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/roughtranslation.uni-ak.ac.at\/index.php\/2022\/09\/06\/klauke-dich-klauker\/","title":{"rendered":"Klauke dich Klauker!"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Sie lesen eine Passage aus Franz F\u00fchmann: Zweiundzwanzig Tage oder die H\u00e4lfte des Lebens, aus dem Jahr 1973<\/strong>: &#8220;Im Seminar eine Diskussion \u00fcber die M\u00f6glichkeit des Nachdichtens aus Sprachen, die man nicht oder nur sehr wenig spricht. Es scheint aussichtslos, einem Ungarn klarzumachen, dass man sich \u00fcber auf ein solches Gesch\u00e4ft einlassen kann. Und doch liegt gerade hier die M\u00f6glichkeit einer echten Kollektivarbeit, denn die \u00dcbertragung eines Gedichtes ist ja nicht eine Sache zweier, sie ist ein Sache dreier Sprachen: der gebenden, der empfangenden und der Universalsprache der Poesie. Ein ungarisches Gedicht ist ja nicht einfach &#8220;Ungarisch&#8221;, es ist Ungarisch, und es ist ein Gedicht, und wenn das Ungarische ins Deutsche \u00fcbersetzt ist, steht die zweite \u00dcbersetzung, die innerhalb des Deutschen, noch aus, und wenn sie von einem, der die Sprache der Poesie nicht versteht, zu leisten versucht wird, wird gew\u00f6hnlich auch die erste \u00dcbersetzung zerst\u00f6rt &#8230; Es ist dann eine Art Pidgin-Lyrisch mit Z\u00fcgen von Pidgin-Deutsch &#8230; <\/p>\n\n\n\n<p>Nein, hier ist, trotz der Besonderheit, dass diese drei Sprachen in der linguistischen Form nur zweier erscheinen, eine echte Arbeitsteilung zwischen dem Interlinear\u00fcbersetzer und dem Nachsch\u00f6pfer (kein gutes Wort, aber ich finde kein besseres) m\u00f6glich und in gewissen F\u00e4llen, wie eben denen der Sprache kleiner V\u00f6lker, sogar geboten. Es war ein Wagnis, aber es hat sich gelohnt, und es ist gelungen; ein Dogma der Nachdichtungstheorie und -praxis ist umgesto\u00dfen; wir haben hier wirklich Neuland beschritten und die M\u00f6glichkeiten sozialistischen Verlagswesens ausgenutzt, aber das alles wird fast gar nicht beachtet. <\/p>\n\n\n\n<p>Wenn die neue Grammatik die Entstehung dessen untersucht, was sie &#8216;wohlgeformte S\u00e4tze&#8217; nennt, und zur Entscheidung dar\u00fcber, was in einer gegebenen nat\u00fcrlichen Sprache ein wohlgeformter Satz sei, einen &#8216;kompetenten Sprecher&#8217; einsetzt, so sondert sie (ihr &#8216;kompetenter Sprecher&#8217;) aus dem allgemeinen Sprachgebrauch doch grunds\u00e4tzlich etwas aus, was man als &#8216;poeitsche Sprache in ihrer Gesamtm\u00f6glichkeit&#8217; bezeichnen k\u00f6nnte. Dies ist nat\u00fcrlich ebensowenig ein Einwand gegen die Transformationsgrammatik, wie der Terminus &#8216;poetische Sprache&#8217; in einem nur vulg\u00e4rroamntischen Sinn (&#8216;Sh\u00f6n!&#8217; &#8211; &#8216;So poesievoll!&#8217; &#8211; &#8216;Das Herz geht einem auf!&#8217; &#8211; &#8216;Das ist noch Kunst!&#8217; usw.) auszulegen w\u00e4re. In eine solche lingua poetica geh\u00f6ren auch grammatikalisch falsche, ja es k\u00f6nnen auch ganz sinnlose S\u00e4tze zu ihr geh\u00f6ren wie etwa &#8216;Klauke dich Klauker!&#8217; aus Brechts Simone.&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Franz F\u00fchmann: Zweiundzwanzig Tage oder die H\u00e4lfte des Lebens. Rostock 1973. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sie lesen eine Passage aus Franz F\u00fchmann: Zweiundzwanzig Tage oder die H\u00e4lfte des Lebens, aus dem Jahr 1973: &#8220;Im Seminar eine Diskussion \u00fcber die M\u00f6glichkeit des Nachdichtens aus Sprachen, die man nicht oder nur sehr wenig spricht. 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